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Ein Standort der Produktionsschule
Moritzburg ist die Niedermühle in Rödern.
Dieser Standort dient der Durchführung des Teilprojektes
„Biohof Niedermühle“. Eine große
Scheune, ca. 75 ha landwirtschaftliche Nutzfläche sowie
Wirtschaftsräume im Gebäude der Niedermühle stellen die
sächlichen Voraussetzungen für dieses Projekt dar. Neben
den genannten Gebäuden befindet sich im Areal der
Niedermühle ein altes Sägewerk, welches als Kornspeicher
genutzt wird |
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Niedermühle - heute
Anfang 2001 begann
die Sanierung der Niedermühle, die sich in einem
sehr schlechten Zustand befand. Im Jahre 2003 war die
Sanierung weitgehend abgeschlossen.
Bauen - eine Sache auf Zukunft hin. Bauen für eine
spätere Nutzung. Bauen ist auch Hoffnung, dass
es weitergeht, dass es gut geht, dass es Sinn
macht, dass es Erfolg hat. Bauen ist auch Leben. An dieser Stelle einen Dank an alle Menschen und Institutionen
die mithelfen, unsere Arbeit zu finanzieren.
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Die
Niedermühle beherbergt heute Geschäftsräume der Produktionsschule
Moritzburg gGmbH, Werkstätten und Schulungsräume des
Biohofs sowie Wohnungen. Die Wasserkraft der Röder
wird von uns zur Energiegewinnung genutzt, eine Turbine
erzeugt über einen Generator Strom, welcher ins Netz
eingespeist wird. Im eigentlichen Mühlengebäude
warten die Reste der technischen Anlagen darauf, aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt zu werden. Dies scheiterte bis jetzt an der
Finanzierung.
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Niedermühle - Historie
Die Niedermühle Rödern als Teil der Moritzburger
Erziehungsanstalten
Die Moritzburger Erziehungsanstalten.
(Geschäftsstelle Moritzburg, Bez. Dresden.)
Rettungshaus Moritzburg für schulpflichtige Fürsorgezöglinge,
Röderhof und Eichhof, Niederrödern, für konfirmierte
Burschen, Steinbacherhof in Steinbach für schwer erziehbare
und geistig anormale Burschen.
Vorsteher Pastor Hermann Schmidt.
Das Rettungshaus Moritzburg wurde gegründet im Jahre
1872. Schon vor dem deutschfranzösischen Kriege sollte
es in Verbindung mit der sächsischen Brüderanstalt
und als Arbeitsfeld für die hierausgebildeten Diakonen
ins Leben treten. Dieser Plan wurde jedoch zunächst durch
den Ausbruch des Krieges verhindert.
Erst nach diesem haben Männer, wie der spätere Finanzminister
von Watzdorf, Oberkonsistorialrat Rüling und der Vereinsgeistliche
des Landesvereins für Innere Mission, Pastor D. Hickmann,
mit 200 Talern in den Händen das erste kleine Anwesen
mit 5 Scheffeln Garten und Feld in Obergorbitz bei Dresden
für 5200 Taler gekauft.
Seit der Gründung durch 36 Jahre hindurch wurde es bis
zu dessen Emeritierung von dem verdienten Pastor Emil Höhne
geleitet. Langsam, aber stetig entwickelte sich die Anstalt,
so daß ein Haus um das andere gekauft oder gebaut werden
mußte. Am 1. Advent 1873 wurde das zweite Knabenhaus
eingeweiht. Eine angrenzende Baumschule von 7 1/2 Scheffel
wurde am 1.März 1876 für 14500 Taler erworben, zu
welcher noch ein kleines Hausgrundstück für 2400
Taler hinzukam. Dieses letztere, die Friedenshütte, brannte
am 24. April 1877 nieder. Dies Unglück wurde für
uns der Anlaß zu besonderer Erfahrung werktätiger
Nächstenliebe.

Von Anfang an hatte das Unternehmen mit den größten
Schwierigkeiten zu kämpfen.
Die Geldmittel waren außerordentlich bescheiden, aber
die Worte des 23. Psalms, der der Hauspsalm geworden ist:
"Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln";
sind stets in Erfüllung gegangen. Es ist auch vorgekommen,
daß der Vorsteher nur noch einen Zweipfenniger und eine
Groschenmarke in den Händen gehabt hat; zu gleicher Zeit
aber kamen die ersten großen Gaben, 500 M.von einer
unbekannten Wohltäterin und im nächsten Sommer nochmals
15000 M. von derselben lieben Hand mit der Bestimmung, daß
der Bau sofort in Angriff genommen würde. Eine erblindete
englische Dame war die Geberin, die zu diesen Summen außerdem
noch einmal 3000 M. spendete, so daß das Gorbitzer Hauptgebäude
mit Schule und Kapelle, Wohnung für eine Knabenfamilie
und für die Hauseltern errichtet werden konnte.
Dieses Hauptgebäude hatte aber nur einen Flügel,
den andern ließ Herr Kammerherr Baron von Burgk als
guter und getreuer Nachbar auf seine eigenen Kosten errichten,
so zwar, daß wir eine Zeitlang die Zinsen bezahlten,
er uns dann die Zinsen erließ und testamentarisch endlich
auch auf das Kapital verzichtete, zu welchem er noch 500 M.
im baren Gelde hinterließ. Herr Baron von Burgk und
seine Frau Gemahlin haben überdies durch ihre reichen
Gaben auch dazu beigetragen, die Anstaltskapelle mit dem würdigen
Schmuck und den heiligen Gefäßen zu versehen.

So umfaßte die Anstalt in Gorbitz zwei Mädchenfamilien
und drei Knabenfamilien von durchschnittlich 12-15 Kindern.
Der Gottesdienst wurde von dem Vorsteher, der Unterricht von
diesem und einem Kandidaten gehalten.
Eine große Schwierigkeit offenbarte sich je länger
je mehr darin, daß der Raum in Obergorbitz zu eng wurde.
Quer durch das Anstaltsgebäude zog sich die Ortsstraße.
Auf der einen Seite hoch über dem Straßenkörper
lagen die Knabenhäuser, auf der anderen Seite in einem
kleinen Tal hatten die Mädchen ihre Wohnungen.
Jahrelang wurde gesucht nach einem Ort, wo man sich neu ansiedeln
konnte, bis sich in Moritzburg am Nordende der Dresdener Heide
in nächster Nähe des königlichen Jagdschlosses
ein Gelände fand, das den Ansprüchen vollständig
genügte.
Die alte Anstalt wurde an die Gemeinde Gorbitz verkauft zugleich
mit dem Bauerngut, welches in den letzten Jahren in Oberpesterwitz
erworben worden war, um halbe Kräfte nutzbringend zu
beschäftigen. Im Jahre 1898 wurden in Moritzburg zu den
schon vorhandenen zwei Wirtschaftsgebäuden und der Scheune
6 neue große Gebäude aufgeführt. Auf dem Knabenberge
entstanden das Hauptgebäude mit Kirche, 4 Schulzimmern,
der Wohnung eines Geistlichen, 2 Knabenhäuser für
je 2 Familien, so daß jede Familie ein in sich vollständig
abgeschlossenes Ganzes bewohnt mit eigenem Eingang, Wohnzimmer,
Nebengelaß und Schlafsaal.
Nach dem Königlichen Schloss zu gelegen, wurden errichtet
das Mädchenhaus für 2 Familien, Wohnungen für
verheiratete Gehilfen im Wirtschaftsgebäude samt 2 Speisesälen,
Wirtschaftsräumen, Waschküche, Motorraum, Kellern
und Ställen, und das Haus des Anstaltsvorstehers mit
den Geschäftsräumen.

Das Fürsorgegesetz hat dem Hause Anlass zu energischer
Weiterentwicklung gegeben. Die Zahl der nichtkonfirmierten
Zöglinge, die im Jahre 1908 85 betrug, ist bis auf 170
gestiegen, und zwar sind es hauptsächlich Knaben. Die
Folge davon war, daß die Knabenhäuser 1910 mit
3 Familien belegt werden mußten, die außerdem
auch der Zahl nach eine Steigerung erfuhren. Ein älteres
Haus wurde als Erziehungsgebäude eingerichtet. Neu gebaut
wurde den Knabenhäusern heraus verlegten Brüder
ein neues Brüderhaus, in dem die Pfleger sowohl für
die hiesige Anstalt, wie auch für zahlreiche andere Anstalten
im ganzen Königreich Sachsen ausgebildet werden, sowie
ein neues Krankenhaus.
Erworben wurde 1910 in Niederrödern bei Radeburg ein
ca. 90 Scheffel großes Bauerngut, welches innerlich
umgebaut und durch Neubauten vergrößert eine landwirtschaftliche
Station für 52 konfirmierte Fürsorgezöglinge
darstellt. Hierzu ist im Jahre 1912 noch ein zweites Gut von
72 Scheffel Größe in Niederrödern gekauft
worden, dessen Gebäude als Handwerkerhaus eingerichtet,
für 24-30 konfirmierte Zöglinge Raum bieten wird,
während wir das landwirtschaftliche Areal zum Röderhofe
schlagen. Endlich ist im März 1912 ein viertes Gutsgrundstück
in Steinbach mit mehreren Gebäuden, etwa 82 Scheffel
groß, erworben worden, welches nach angemessenem Umbau
2 Stationen aufnehmen soll. Zunächst eine Isolierstation
für schwierigere Burschen, denen das Entweichen erschwert
werden muss, damit sie sich nicht selbst wieder schädigen,
indem sie auf ihren Wanderfahrten Unrecht begehen und eine
weitere Station für Psychopathen, die besonderer Pflege
bedürfen. Diese beiden letzten Abteilungen werden in
kleinste Familien aufgelöst, so daß die persönliche
Pflege so intensiv wie nur möglich sein wird. Mit diesen
Ankäufen ist der Grundbesitz auf rund 300 Scheffel (75
Hektar) angewachsen.

In den ersten 36 Jahren seines Bestehens bis 1908, unter der
verdienstvollen Leitung des P. Emil Höhne, ist das Rettungshaus
bis zu einem Bestand von 85 Zöglingen angewachsen. Mit
dem Dienstantritt des P. Schmidt, des jetzigen Vorstehers
der Erziehungsanstalten, zeigt die Anstalt unter dem Einfluß
des Fürsorgeerziehungsgesetzes einen numerisch sehr starken
Fortschritt. Am 31.10.1908 waren es 85, am 31.12.1908 98,
am 31. 12. 1909 114, am 31.12.1910 190, am 31. 12. 1911 210
Zöglinge.
Hierzu kommen noch vertragsgemäß 1912 50 konfirmierte
Burschen.
Die Erziehung unserer Fürsorgezöglinge wird auf
dem Boden des Wichernschen Familiensystems durchgeführt,
unter dem Einfluß von Gottes Wort, fester, fröhlicher
Arbeit in Geduld und Liebe. Mehr durch Vorbild als durch Reden.
Neben der Rute liegt der Apfel, aber körperliche Strafen
sind nur möglich, wenn der Vorsteher sie schriftlich
erlaubt, sofern er in väterlicher Pflicht, sie nicht
selbst vollzieht! Die Familien bestehen gewöhnlich aus
15 Zöglingen, die jedoch je nach Bedürfnis erhöht
werden können, da wir neben dem Familienbruder, der der
Leiter und das Oberhaupt der Familie ist, in der Regel noch
einen Assistenten haben, so daß also auf höchstens
10 Zöglinge ein Erzieher zu rechnen ist. Dieses Familiensystem
wird gleichzeitig so durchgeführt, daß die halbe
Familie eine Arbeitsgemeinschaft darstellt, welche nach Möglichkeit
bei der Arbeit in Garten und Feld und auch bei den Handwerken
geschlossen verwendet und von dem zuständigen Erzieher
geleitet wird. Die Pfleger und Erzieher teilen mit den Kindern
denselben Schlaf- und Wohnraum, essen mit ihnen an demselben
Tisch und fast regelmäßig auch dieselbe Kost.

Die Beköstigung

wird durchgeführt nach der Art der in den Staatsanstalten
des Königreichs Sachsen üblichen Ernährungsweise,
doch erhalten körperlich schwächliche Kinder eine
regelmäßige Extragabe an Milch, um ihr körperliches
Wohlbefinden zu fördern. Die gesamte Milcherzeugung der
ca. 35 Stück Rindvieh umfassenden Tierhaltung, sowie
die Fleischproduktion der Schweinezucht kommt in der Hauptsache
in der eigenen Wirtschaft zur Verwendung.
Die Bekleidung
ist so beschaffen, daß die Kinder möglichst wenig
als Anstaltinsassen kenntlich sind, gleichwohl aber eine gleichmäßige
Kleidung haben, die ihnen sehr gut steht und die von ihnen
mit Freude getragen wird, weil sie sehr kleidsam ist, wie
unsere Abbildung zeigt. Sie ist fünffach und umfaßt:
1. einen guten Wintersonntagsanzug aus gutem Gensdarmtuch
mit grünem Kragen und bunter Schülermütze,
die je nach den Familien verschieden ist, so daß sich
unsere Zöglinge, wenn sie auf Urlaub gehen, mit Stolz
sehen lassen können.
2. Garnitur ist ein leichter Sommersonntagsanzug mit Weißem
Strohhut.
3. Garnitur ist ein kräftiger und sauberer Schulanzug
aus Loden. Hieran schließen sich als 4. und 5. Garnitur
die beiden Arbeitsanzuge. Hierbei gibt es zwar auch eine dicke
Winterdüffeljacke, jedoch ist der ehrlichen, blauen Bluse,
auch um der Sauberkeit willen bei doppelter Unterkleidung
der Vorzug zu geben. Bei den Mädchen ist die Bekleidung
in ähnlicher Weise abgestuft wie bei den Knaben.
Der Gesundheitszustand
der Zöglinge ist im Großen Ganzen gut. Die Lage
mitten in den großen Moritzburger Forsten auf freier,
luftiger und gesunder Höhe trägt dazu bei, den Großstadtkindern
gar bald zu einem gesunden Aussehen und kräftigen Wachstum
zu verhelfen. Die ärztliche Behandlung liegt in der Hand
eines Anstaltsarztes. Ein neu erbautes Krankenhaus mit allen
Erfordernissen, die an ein solches von der modernen Hygiene
gestellt werden, ist 1911 vollendet worden. Für die Pflege
der Kinder ist eine besondere Krankenschwester angestellt
worden. Außerdem ist noch für etwa umsichgreifende,
ansteckende Krankheiten eine Döckersche Baracke vorhanden,
die am Ausgange der Anstalt am Waldesrande gelegen ist.

Der Unterricht
findet in der eigenen Anstaltsschule statt. Die sachgemäß
nach Norden liegenden, Unterrichtszimmer sind mit Lickrothschen
Bänken neuesten Systems ausgestattet, so daß auch
schwächliche Kinder vermöge des ausgezeichneten
Baues der Bänke ohne Anstrengung den Unterricht abwarten
können. Zu den 4 Normalklassen der Volksschule sind 1911
noch 2 Nachhilfeklassen eingerichtet worden, welche es ermöglichen,
auch schwache und zurückgebliebene Kinder durch eine
bewährte Kraft fördern zu lassen. Der Unterricht
wird erteilt durch 3 seminaristisch gebildete, zum größeren
Teil ständige Lehrer. Nach Bedarf stellen auch die Theologen
der Anstalt ihre Tätigkeit mit zur Verfügung. Besondere
Pflege findet in der Anstalt der Gesang, in welchem auch in
der Tat zur Freude der Insassen und der Freunde der Anstalt
etwas Tüchtiges geleistet wird.
Der Gottesdienst
findet in der eigenen, geräumigen, 300 Sitzplätze
darbietenden Anstaltskapelle statt. Beide, die Schule und
die eigene Kirche, ermöglichen es, daß die Beaufsichtigung
der Zöglinge ununterbrochen und unauffällig durchgeführt
werden kann. Die konfirmierten Burschen der Außenhöfe
besuchen - dies sei hier gleich mit bemerkt - die Ortskirchen,
damit sie dem Gemeindeleben nicht zu sehr entfremdet werden,
doch werden der Unterricht und sonstige religiöse Unterweisungen
in den Anstalten selbst dargeboten
Die Beschäftigung
unserer schulpflichtigen Zöglinge findet in Moritzburg
vor allen Dingen in Garten und Feld statt. Die hier zur Verfügung
stehenden ca. 40 Morgen Land sind für diesen Betrieb
sehr bequem gelegen. Sie werden nur von den Kindern unter
Mithilfe von 14 Pflegern sowie der Insassen des Brüderhauses
bewirtschaftet. Auch in der Viehzucht werden hierfür
geeignete Knaben für ihren späteren Beruf in der
Landwirtschaft beschäftigt. Gelegenheit zur Erlernung
eines Berufes bietet das Rettungshaus Moritzburg in seiner
Schneiderei sowie in der Tischlerei. Außerdem wird noch
eine einfache Teppichknüpferei und eine Strohflechterei
betrieben. Auch eine Holzspalterei ist im Gange.
Zu Unterhaltungen und Vergnügen
bieten wir unseren Zöglingen viel Gelegenheit in den
Freistunden, wo sie nach Herzenslust spielen und sich tummeln
können. Jede Familie besitzt einen Garten, in dem jeder
Zögling sein Beet hat, welches er bebauen und dessen
Ertrag für sich verwerten kann. Bei gutem Wetter unternehmen
wir weite Wanderungen in großen und kleineren Gruppen,
nach Meißen oder Pillnitz oder sonst ins Land. Kriegsspiele
und Freilandspiele werden ausgeführt. Für den Winter
haben wir unsere "fröhlichen Abende", wo sich
sämtliche Anstaltsinsassen bei Schokolade, Spiel und
Gesang zusammenfinden. Wir haben ferner noch Märchenabende
und Erzählstunden, zu denen noch hin und wieder Lichtbildervorträge
kommen und Ähnliches mehr. Besonderer Wert wird auch
darauf gelegt, daß die Kinder in die Bestrebungen des
Blauen Kreuzes eingeweiht werden. Die große Zahl der
Familien (10 für Kinder) gibt uns Gelegenheit, die Kinder
je nach ihrer Eigenart zu individualisieren und ihnen gerade
den für sie geeigneten Pfleger zur Verfügung zu
stellen. Dieses Prinzip wird auch auf dem Röderhof durchgeführt
und wird auch weiterhin zur Geltung kommen auf den neu erworbenen
und soeben ins Leben tretenden zwei weiteren Anstalten für
Konfirmierte im "Eichhof" und "Steinbacher
Hof".

Im Röderhofe werden die 14-19jährigen Burschen in
vollständiger Freiheit erzogen. Die Tore dieser landwirtschaftlichen
Station stehen ununterbrochen offen. Alle Zöglinge, welche
sich den Anordnungen fügen, haben freien Ein- und Ausgang.
Ebenso wird der "Eichhof" eine Station mit offenen
Toren für die Handwerker sein, dahingegen wird der "Steinbacher
Hof" zwei Abteilungen haben, die eine für gewohnheitsmäßige
Ausreißer und die andere für geistig Schwache,
denen zu ihrem eigenen Nutzen in vorbeugender und bewahrender
Fürsorge der freie Aus- und Eingang in gewisser Beziehung
beschränkt werden wird, bis sie sich daran gewöhnt
haben, von der Freiheit den rechten Gebrauch zu machen, und
nach dem Röderhof versetzt werden können. Die Familienwohnungen
sind kleine, freundliche und schon geschmückte Zimmer,
die mit bunten Möbeln im Biedermeierstil und bunten,
klassischen Bildern, die uns von der bekannten Firma Seemann,
Leipzig, reichlich und schön gerahmt zur Verfügung
gestellt wurden, ausgestattet worden sind. Mit ihren Kachelofen,
den Schwarzwälderuhren und den freundliche Einrichtungen
bieten die Familienzimmer für 6 - 8, nur in einzelnen
Fällen
10 -12 lnsassen trauliche Heimstätten. Für je 6
- 10 Zöglinge ist ein eigener Erzieher da. Die Leitung
und der haus- und landwirtschaftliche Betrieb untersteht einem
Hausvater. Vorsteher ist ein Theologe. Für die Burschen
ist auf dem rund 260 Scheffel eigenen Land dieser Gutshöfe
reichlich Gelegenheit zu fester Arbeit geboten, die von den
meisten frisch und gern getrieben wird.
Der Viehstand von weiteren 5 Pferden, 30 Rindern, ca. 60 -100
Schweinen wird von ihnen versorgt. In den Werkstätten
unter eigenen Meistern finden die hierfür Geeigneten
fach- und sachgemäße Ausbildung. Wir stehen in
vertraglicher Verbindung mit den Kreishauptmannschaften Dresden
und Leipzig, haben jedoch auch aus den drei übrigen Kreishauptmannschaften
des Königreiches Zöglinge in unsern Häusern.

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